Sonntag, 17. Februar 2008

Zwei Themen zur selben Sache

15.2.2008

Walid Shoebat

ist arabischer Amerikaner, war als Kind und Jugendlicher PLO-Terrorist und ist heute begeisterter Zionist. Seit Jahren gefährdet er sich, indem er seine Kommentare und Idee publiziert. Im September 2006 sendete CNN ein Interview mit ihm, das ich wärmstens empfehle. Es ist heute genau so aktuell. Er beschreibt die arabische antijüdische-antiisraelische Psychose - ich verzichte hier bewusst auf Anführungszeichen, denn so nennt er diesen Zustand. Es tut gut, diese arabische Rarität selbstständigen Denkens zur Kenntnis zu nehmen, denn es gibt sie auch, wenn auch nur im sicheren Westen. Er vergleicht die arabische und palästinensische Welt mit dem Leben in Israel und wobei er sogar leicht übertreibt. So toll wie er finde ich Israel nun auch wieder nicht. Doch ähnlich wie Brigitte Gabriel (Uris Tagebuch 3.6.2007), einer libanesischer Christin (Walid ist Muslim), machten die Erfahrungen in Israel, er als Sträfling, sie als christliches Opfer muslimischer Gewalt im Krankenhaus von Zfat (Safed), durch die sich beide auf einmal mit der demokratischen Realität Israels im Gegensatz zu religiöser Reaktion, muslimischem Hass und der Liebe zum Tod konfrontiert fanden. Sie mussten sich damit auseinandersetzen und sind heute publizistisch äusserst aktiv, schreiben Bücher, halten Vorträge und geben Interviews. Ich will dem Zuhörer nicht vorgreifen, doch soviel sei gesagt: sie mögen das heutige islamistische Arabertum nicht, denn sie relativieren es gegenüber Israel. Dass Israel dabei besser dasteht – einige meiner gutmenschlichen Freunde, werden sich hier hoffentlich ärgern – versteht sich von selbst, der Kontrast ist zu extrem.

Imad Mugniyah
In unserer Region ist es normalerweise üblich in den Strassen zu feiern und zu tanzen, Bonbons zu verteilen und mit Gewehren Löcher in den Himmel zu schiessen, wenn jemand, den wir nicht mögen, ums Leben gebracht wird. Das gilt für das Ableben von Einzelpersonen oder ganzen Bevölkerungen, wie z.B. die dreitausend Toten des World Trade Centers am 11.9.2001. Das ist so dokumentiert in den besetzten Gebieten der Westbank, in Jordanien, Ägypten, Syrien, Iran usw. geschehen – nur in Israel geschieht das nicht.
Natürlich freuen wir uns, wenn ein übler Mensch wie Imad Mugniyah, ein Massenmörder und der Hisbollahs oberster Kriegsherr auf so feine Art abserviert wird, wie das mittels Autobombe in Damaskus geschehen ist. Ähnlich war es mit Scheich Yassin, um wenigstens einen weiteren Namen zu nennen. Über solches sind wir erleichtert und sagen uns „ein Haman weniger“ und die jüdische Geschichte hat sich gewissermassen wiederholt und bestätigt.
Die Welt ist Zeuge muslimischer Hysterie, einmal mehr wird Israel des Mordes an einem Unschuldigen beschuldigt. Dabei weiss eigentlich niemand, wer die Bombe in Imad Mugniyahs Auto so sorgfältig montierte, dass sie ihn mit Schweizer Präzision ins Jihadistenparadies sandte. Der Vorgang erinnert mich an die Liquidation des Nazis Reinhard Heydrich, dem hauptsächlichen Organisatoren des Holocausts, in 1942. Ich weiss, es wird nicht gerne gesehen, wenn man den Shoah zu Vergleichen mit den Bestrebungen des Jihadismus herbeizieht, obwohl die heutige muslimisch Welt, sich als Erben des Nationalsozialismus sieht, eine sattsam dokumentierte Tatsache.

Natürlich sind wir ins Israel besorgt wie, wenn es eine solche geben sollte, die Reaktion der Hisbollahis und ihrer Freunde ausfallen wird. Frappierend scheint mir auf jeden Fall der gewaltige Unterschied in der Reaktion zwischen der Mehrheit der muslimischen Welt und der westlichen Staaten. Die Jihadisten aller Couleurs jammern um das Märtyrertum eines genialen Verbrechers, den sie, weil Verbrecher, als Helden und Märtyrer feiern. Wir und der Rest der Welt, auch wenn sie Israel gegenüber manchmal kritisch sein mögen, sehen Imad Mugniyah und seinesgleichen, mehrheitlich als das was er wirklich war, ein mörderischer, kaltherziger Psychopath, von denen es in unserer Region leider (noch) viel zu viele gibt.
Sollte Israel tatsächlich hinter dieser Liquidierung stehen oder eben auch nicht, es hat damit sein im Zweiten Libanonkrieg angeschlagenes Abschreckungspotential um ein weiteres Stück wieder herstellt.

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